Dienstag, 24. Oktober 2017

Wie die Alpenblumen auf die Bergwiese kamen

Auf vielfachen Wunsch veröffentliche ich hier endlich mein Märchen von den Alpenblumen.
Vor langer langer Zeit wuchs auf den Wiesen in den Bergen nur Gras. Frisches saftiges Gras. Die bunten Bergblumen, wie wir sie heute kennen und bewundern gab es damals noch nicht.

Dort oben, wo die mächtigen Gipfel in die Wolken greifen, wohnt
der Berggeist, der König der Alpen. Er verliebte sich in die Königin der saligen Fräulein und nahm sie zur Frau. Aus dieser Liebe entsprangen bezaubernde Töchterlein, jedes Jahr eine neu Schönheit. Die erste und Älteste hatte Augen, so blau wie der tiefste Bergsee. Die zweite Tochter hatte zartrosenrote Wangen. Im dritten Jahr gebar die Königin ein Mädchen mit goldenen Haaren und ein Jahr darauf ein Mädchen mit Lippen so rot wie Blut. Die Jüngste der Prinzessinnen aber hatte silbernes Haar, so silbern glänzend wie der Gletscher unter dem Gipfel des Reiches. Jede von ihnen war fröhlich und herzallerliebst. Jeden Tag, wenn die Sonne mit ihren Strahlen die Berggipfel vergoldete, liefen sie aus dem Palast, um auf ihrer Wiese zu spielen. Sie lachten und liefen und tanzten im Wind, dass es eine Freude war ihnen zuzusehen. Ihr Gesang und ihr Lachen hallte von den Berghängen bis hinunter ins Tal.

Zwischen dem Reich des Berggeistes und dem Menschen im Tal lag ein tiefer dunkler Bannwald. Darin hauste ein Schrat, ein mies launiger Gesell. Es rührte wohl daher, das er alleine in diesem finsteren Wald lebte, dass er nie ein gutes Wort sprach oder gar mal freundlich war. Doch drang das Lachen der Prinzessinnen an sein Ohr und er ging hin und sah, wie sie da tanzten und spielten.

Da beschloss er, sich eine der Töchter zur Frau zu nehmen und trat vor den König der Berge und trug sein Anliegen vor. Dem König graute davor, eine seiner Töchter mit dem unfreundlichen Troll zu vermählen. Deshalb wies er ihn höflich aber bestimmt ab. Der Troll hatte es sich aber in den Kopf gesetzt und er drohte dem König, den Bannwald zu zerstören und alle seine Töchter zu entführen, wenn er ihm nicht eine der Töchter zur Braut gäbe.Da rief der König seine Frau und seine Töchter zu sich, um sich zu beraten.Die Prinzessinnen wollte lieber sterben, als sich dem übellaunigen Waldschrat hinzugeben. Da fasste der König und seine Frau den Plan, die Mädchen in die große Kristallhöhle im Berg zu sperren, wo sie der Zwiderwurz nicht finden konnte.Die Mädchen aber weinten und klagten.
Bitte sperrt uns nicht ein. Wir wollen auf unserer Wiese bleiben, mit dem Wind um die Wette laufen und sehen, wie die Sonne die Berge bemalt. Wir möchten die Vögel singen hören und mit den Schmetterlingen tanzen. Wenn ihr uns in den Berg sperrt, dann ist unser Leben vorbei, dann kann uns doch gleich der Schrat holen.“





Der König und die Königin berieten sich die ganze Nacht. Ihre Herzen waren vor Kummer so schwer.

Am nächsten Morgen standen sie Hand in Hand vor der Wiese, die Königen hob ihre Hände in den Himmel und sprach ein Gebet. Die Sonne übergoss die Gipfel mit goldigem Schein und schickte ihre Strahlen über die Bergwiese. Und so verlässlich wie die Nebelschwaden jeden Tag aus dem Tal herauf zogen, so verlässlich tanzten die Prinzessinnen aus dem Schloss der Berge hinaus auf ihre Wiese. Ihre zarten bloßen Füße berührten kaum das Gras, da begannen sie sich auch schon zu verwandeln.

Die älteste Tochter, deren Augen so blau waren wie ein Bergsee, verwandelte sich in einen Enzian. Die zweite der Töchter, die mit den rosenroten Wangen, die verwandelte sich in den Almrausch. Aus der Prinzessin mit dem goldenen Haaren wuchs ein Arnika, die Vierte mit den roten Lippen ward in ein Kohlröserl verzaubert und die Jüngste in ein Edelweiß.

Da wuchsen sie nun auf ihrer geliebten Wiese, tanzten im Wind und sahen der Sonne Lauf. Der Schrat konnte sie nicht mehr finden, obwohl er auf allen Hängen und Höhlen nach ihnen sucht.

Der Berggeist und seine Königin haben wohl noch viele Töchter geboren, die nun verborgen auf den Bergwiesen leben. Wir dürfen uns nun über die bunten Almblumen freuen, brechen aber dürfen wir die Bergfräulein nicht.

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