Montag, 10. Juli 2017

Almsommer


Im Juni, zwischen Veitstag und Johannis wurde das Vieh auf die Almen getrieben. Jetzt im Juli blühten die meisten Almblumen. Das war die Zeit, wo auch wir Ausflüge in die Berge machten. Der Dobratsch war unser Hausberg und erweiterter Garten. Unsere Verwandtschaft ist weit verstreut in Kärnten aber auch in der Steiermark und in Tirol. Die Sommermonate boten Gelegenheit für Besuche. Einer meiner Großonkel war Sagmeister in Bad Kleinkirchheim. Seine Wohnung war oberhalb der Säge denn diese war am Bach und wurde mit Wasserkraft betrieben. Nie werde ich das Klo vergessen! Es war ein Plumpsklo direkt über dem Bach. Ich hatte immer Angst hinunter zu fallen. Besuche in Bad Kleinkirchheim waren gleichzeitig Ausflüge in die Nockberge. Zirbentschurtschen, Arnika, Muskatl, eine besonders süß duftende Thymianart, Bergnelkenwurz, Tausendguldenkraut und Speik wurde gesammelt. Ein Besuch beim Karlbad durfte nie fehlen. Klar doch, dass dieses heiße Bad nur den Erwachsenen vorbehalten war und ich als Kind mit dem kalten Bach vorlieb nehmen musste.

Almbesuche waren verbunden mit Ernte, Speckjause, würzigem Käse und vielen Steinen. Ich liebe Steine, auch heute noch. Obwohl ich alle Steine wunderbar fand, konnte mir niemand etwas dazu erzählen. Es war ein Busfahrer, der mir am Dobratsch erstmals Fossilien zeigte, die er am letzten Parkplatz sammelte. Damals war die Straße neu gebaut worden und es gab noch keinen Naturschutzgedanken. Dieser Mann fiel mir auf, weil er einen Sack voll einlud. Ich war selig als er mir die Fossilien erklärte. Beim nächsten Ausflug fand ich selbst schon wunderbare Stücke, die leider während ich in Tirol meine Lehre machte, entsorgt wurden. Waren ja nur Steine.

Doch Steine waren für Menschen immer etwas Besonderes. Sie dienten als Grenze, als Sitzplatz, als Baumaterial, zum Hinterlassen wichtiger Botschaften oder als Schutzamulett.

Versteinerte Muscheln, die die Form eines Hufes hatten, galten als Schutz vor Blitz und gegen die wilde Jagd. Man vermutete, dass Vieh, das vom Blitz erschlagen wurde, diese Spuren im Stein hinterließ. Mancherorts glaubte man, es sind Spuren von den Hufen der Pferde der „wilden Jagd“, die in den Winternächten über die Berge zieht.

Andere Steine und Erze nutzte man zum Herstellen von Farben, viele Gesteine in Kärnten wurden auch für Heilmittel gebraucht. Am bekanntesten war das Arsenik, ein bei den Bauern durchaus übliches Aufputschmittel für das Vieh, manchmal nahm es auch der Bauer selbst.

Der Faschaunerin hat es den Tod am Galgen gebracht.

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