Samstag, 3. Juni 2017

Juni - der Brachmond

 
In der Schütt blühen jetzt die Illyrischen Gladiolen und die Mannaesche, der Wald ist voller wilder Orchideen und am Waldrand duften die Wald-Erdbeeren. Seit den ersten aparen (schneefreien) Stellen am Waldrand, wo wir die Blätter für den Tee gesammelt haben, wuchs meine Sehnsucht und Vorfreude auf diese süßen Waldfrüchte. Nichts schmeckt so köstlich, nicht ist so voller Magie. Wenn die Zeit dieser roten Früchte gekommen ist, rutsche ich auf Knien durch
den Wald und sammle beidhändig die Kostbarkeiten in einen Becher. Wenn er kurze Zeit verschlossen ist und dann öffnet man den Deckel, strömt der süße Duft durch die Nase und löst zumindest bei mir Euphorie und tausend stumme Dankgebete gegen Himmel.

Ich denke, es ist diese Vorfreude. Seit Monaten beobachte ich diese Plätzchen und kann es kaum erwarten. Ist das heute noch zu verstehen, wo in den Geschäften jederzeit alles verfügbar ist? Berauben wir uns dadurch nicht dieser Vorfreude?

Ich kenne alle Plätze. Erdbeeren wachsen auf frisch geschlagenen Plätzen im Wald, etwa zwei Jahre lang. Danach wuchern dort die Himbeerstauden und der Farn. Schwarzbeeren lieben den dunklen Wald mit Morgensonne, Pfifferlinge feuchte und lichte Stellen, Kratzbeeren mögen trocken-heiße Waldrandzonen, um die sich niemand kümmert.

Auf Wiesenböschungen wächst der wilde Spinat und die fette Henne, der Bocksbart liebt die ungedüngte Wiese, wie der Wiesensalbei, der Wiesenkümmel mag die Furche, wo der Bauer mit dem Traktor in die Wiese fährt und das Tausendguldenkraut braucht den Boden, wo der Waldarbeiter seinen Schweiß verströmt oder der Senn das Vieh mit Salzleck stärkt.

Jetzt war die Zeit der Sommersonnenwende, in der das Johanniskraut zu blühen begann. Die Blütenknospen wurden in Öl angesetzt. Das rote Öl durfte in keinem Haushalt fehlen, es half bei Verbrennungen, die man sich beim Kochen oder Einheizen schnell einmal zufügte.

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