Montag, 15. Mai 2017

Alles neu macht der Mai






Der Mai ist der Monat aller Frühlingsbräuche. Das Ausstecken der Birkentriebe, Symbole des neuen Lebens in der Natur, stammen zwar noch aus vorchristlicher Zeit, zu Pfingsten haben sie aber Tradition. Die Brunnen beim Haus und am Dorfplatz werden mit frischen Birkengrün geschmückt und
Feste gefeiert. Meine Großmutter ist als Glückskind geboren. Sie kam am Pfingstsonntag auf die Welt. Sie feierte jedes Jahr eine Woche lang ihren Geburtstag. Dieser Gedanke verlieh ihr wohl auch ihre Kraft. Es zeigt aber auch, wie tief verwurzelt wir in diesen alten Frühlingsritualen stecken. War es in der vorchristlichen Zeit meist eine Vollmondnacht im Frühling, zu der sich die Menschen trafen und feierten, bestimmt nun der Kalender die Feiertage. Doch auch die Oster- und Maifeiertage richten sich noch nach dem Mond. Unabhängig von seinem Einfluss auf Wachstum, Wasser und uns Frauen muss eine Waldlichtung nachts im Vollmond wie ein hell beleuchteter Ballsaal gewirkt haben. Die Feste im Frühling und die ersten Märkte waren für die ländliche Bevölkerung eine seltene Gelegenheit, sich zu treffen. Besonders die Jungen lernten so wohl ihre künftige Braut oder Bräutigam kennen. Oft trafen sich Verliebte erst beim nächsten Fest oder Markt wieder, dann wurde auch schon bald darauf geheiratet. Damals war der Mai noch kein Hochzeitsmonat, wie es heute üblich ist. Zuviel Arbeit hatte die Landbevölkerung damals während der Sommermonate. Die meisten Hochzeiten fanden im Jänner statt, nachdem man sich zwar schon ein Jahr lang gekannt hatte und sich dabei aber nicht oft begegnet ist. Ein alter Spruch erzählt uns davon:

Zu Ostern ein Ei, zu Pfingsten die Treu -
zu Fasching die Hand, ist die Liebe bekannt.

Wer am Längsten schlief, wurde als Pfingstesel verlacht, denn es galt die Pfingstsonne als erstes zu sehen. Ich erinnere mich daran, dass an diesem Tag geweihte Palmkätzchen verbrannt wurden. Dabei sollten sie dicken Rauch erzeugen. Das bringt Glück. Ich verband diesen Brauch gedanklich immer mit dem schützenden Rauch unter den Bäumen. Es war üblich, in frostklaren Frühlingsnächten nach Mitternacht unter den Obstbäumen stark rauchende Feuer zu entzünden, um die Blüten vor dem Frost zu schützen.
Das Maipfeiferl schnitzen war eine Kunst, die meine Großonkel im Schlaf beherrschten. Sobald die Zweige im Saft standen, holten sie ihren Feitl aus dem Sack und zeigten mir, wie ich die Rinde vom Holz zu klopfen hatte. Dann konnte ich mit dem Vogerln um die Wette zwitschern.
Maipfeiferl pfeif,da Steckn is schon reif
gemma auf die Bruckn, stechn uns die Muckn,
gemma übern Bach, kummt uns ka Teifl nach.
Maipfeiferl pfeif

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