Freitag, 7. April 2017

April, der Keimmond

Allerlei Österliches und Brauchtümliches...

Die Osterzeit begann mit Fasten. Eigentlich ein natürlicher Vorgang im Frühling. Die Wintervorräte waren aufgebraucht und die Eier wurden für das Osterfest gespart. Der Schinken und die Würste mussten noch reifen, was blieb waren die frischen Kräuter der Wiese. Die Brennnessel wuchs jetzt an jedem Zaun. Sie schmeckt eigentlich nicht so gut, aber mit Gundelrebe, Giersch und Bärlauch gewürzt ergibt sie einen leckeren Spinat. Lieber hatte ich allerdings den sogenannten wilden Spinat. Die grau-grünen länglichen Blätter des
Leimkrauts, gemischt mit der weißen Taubnessel schmeckten köstlich..

Bei unseren Spaziergängen, die sich bald als Erntegänge herausstellten, pflückten wir nun auch Palmkätzchen, Haselruten und immergrüne Zweige für den Palmbuschen. Veilchen und Himmelschlüssel für Tee und Süßspeisen und natürlich alle essbaren Kräuter.

Die Eier wurden mit Brennnesseln und Zwiebelschale gefärbt und mit Speckschwarten poliert.
Der Garten wurde umgestochen und je nach Saatregel bepflanzt. Tomaten und Strangalan kamen immer auf den selben Platz. Wurzel- , Frucht- und Kopfgemüse gewechselt. Die Beete wurden mit Spagat gespannt, damit sie akkurat im Garten lagen. Für gute Ernte und zum Schutz gegen Unwetter wurde ein geweihter Palmbuschen in den Garten gesteckt.
Unser Palmbuschen war auf einem Haselstecken gebunden, etwa in Armlänge. Darauf gab es bunte Krepppapierschlangen. Manche hatten kleine Brezerln dran.

Brauchtum

Meine Großmutter ging selten in die Kirche. „Da Herrgott is in der Natur leichter zum Finden.“ Der Wald und die Wiesen waren unsere Kirche, wo wir seine Schöpfung bewunderten und respektierten. Fleischweihe oder Palmweihe waren für uns eher gelebte Rituale, bei denen wir uns anderen Familienangehörigen anschlossen. Großtante Mitzi war eine fleißige Kirchgängerin. Sie hatte immer heilige Bildchen und Rosenkränze. Wann immer ich nach einem Besuch ihre Küche verlassen wollte, tauchte sie ihren Finger in das Weihwasserschüsselchen an der Wand neben der Tür und segnete mich mit dem Kreuzzeichen auf der Stirn. Danke dafür!

Das Kreuzzeichen schützte und segnete Hab und Gut. Ebenso wie der Trudenfuß, ein Fünfzack, der sich auf Wiegen, Toren und Scheunen noch findet. Frisches Brot schneide ich auch heute erst an, wenn ich mit dem Messer darauf drei Kreuzzeichen gemacht habe. Es zeigt die Dankbarkeit und den Respekt vor dem wichtigsten aller Nahrungsmittel.

Glaube und Aberglaube sind eng miteinander verbunden.

Am Gründonnerstag legen Hühner besondere Eier, sogenannte Antlaßeier. Sie sollen Schutz vor Unwetter bieten, indem man sie unter dem Grundstein oder in der Wand eingemauert hat oder im Acker vergraben. In manchen Tälern wurde das Antlaßei bei Gewitter über das Dach geworfen, um das Unwetter vom Haus fernzuhalten. In der Steiermark färbte man die Gründonnerstagseier rot und beschenkte damit Männer. Das diente der Fruchtbarkeit.

Wenn die Glocken schwiegen, hörte man die Kinder mit Osterratschen durch die Orte laufen. Von der grünen Suppe am Gründonnerstag bis zur Osterjause am Karsamstag wurde wirklich gefastet. Da knurrte der Magen, wenn es im Haus schon verlockend nach Schinken und Würsten roch, der Osterreindlich und weiße Strutzn gebacken wurde, die Eier gekocht und gefärbt und niemand durfte naschen. Da half es, sich noch ein ausgeblasenes Ei zu schnappen und sich mit anmalen abzulenken.

Wollten junge Mädchen ihre jugendliche Schönheit bewahren, so sollten sie am Karsamstag im Morgentau, noch vor den Auferstehungsglocken bei einer Quelle waschen. Hatte man Sorgen, nahm man einen Stein und ging zu einer Brücke beim Bach, über die sowohl Hochzeitsleut als auch Trauernde gehen und warf sich den Stein über die Schulter in den Bach. Da der Stein vom Bach bis ins Meer gerollt wird und da nur noch als unscheinbares Sandkorn ankommt, geschieht das gleiche auch mit den eigenen Sorgen.

Am Samstag nachmittag dann aber gings zur Fleischweih. Mit einen Korb gefüllt mit Eiern, Geselchtem, Brot, Reindling, Eiern und Salz, bedeckt von einen schön besticktem Weihdeckerl und obenauf noch ein Palmkatzerlkreuz. Nachdem sich alle gegenseitig „gesegnete Ostern“ gewunschen hatten, gings endlich heim zur Osterjause.

Mutti hatte eine Schüssel mit Eiertunke und einen großen Teller voll mit Geselchten und Würsten. Reindling, Kaffee und Bier, schließlich hatten sich auch meine Großonkel und Tanten bei uns eingefunden.

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