Sonntag, 5. März 2017

Märzensonne


Der Josefitag, 19. März ist nicht nur Kärntner Feiertag, sondern auch ein wichtiger Lostag:
Josefi hell und klar, bringt ein fruchtbar Jahr.
 

Als Kind war es ein Abenteuer – wer entdeckt das erste essbare Blattl. Gesammelt wurden Wiesensalbei, Knopfblume, Spitzwegerich, Schafgarbe, Sauerampfer und Röhrlsalat. Der Salat wurde mit heißen Erdäpfeln und viel Knoblauch angerichtet, dazu gab es Butterbrote mit gehackten Kräutern bestreut. Die knackigen Blütenknospen des Löwenzahns
gehörten mir allein. Wir kannten die Plätze wo der Spitzwegerich als Erster grün wurde, stachen den Röhrlsalat und die Zichorie und aus den ersten Veilchen und Huflattichblüten gab es leckeren Tee.
Heute hat sich die Palette der Kräuter, die ich verwende um ein Vielfaches erhöht. Die Wiesen auf denen das schmackhafte Wildgemüse zu finden ist, sind leider immer weniger geworden. Teils verbaut, teils gedüngt, ausgelaugt oder verschmutzt wird der Garten Natur immer kleiner, auf denen man im Frühling die Frauen mit Messer und Körberl hocken sieht.
Nicht nur Hobbyköchinnen – so mancher Haubenkoch zaubert kreative Menüs aus dem Wiesengemüse. Doch während verwöhnte Gaumen Kresse, Hopfenspargel und Löwenzahnblätter hauptsächlich als Beilage oder Dekoration serviert bekommen, lechzt so mancher Mann nach einer schlichten Schüssel Röhrlsalat mit Kartoffeln und Kernöl als Hauptgericht. ÄrztInnen und DiätologInnen schätzen Wildkräuter auch vom gesundheitlichen Standpunkt. Sie sind reich an Mineralstoffen und ergänzen auch unsere Vitaminzufuhr. Zusätzlich wirken Brennnessel und Löwenzahn entwässernd auf den Organismus.
Während Brennnessel, Giersch und Vogelmiere im Garten munter vor sich hin wuchern und wir uns erst daran satt essen müssen, bevor der Garten für andere Pflanzen vorbereitet werden kann, ist der würzige Bärlauch bei uns in Kärnten eine Rarität. Je beliebter die Kräuter in der Küche werden, desto wichtiger wird es auch, ihre Merkmale und die Gefahren durch Verwechslungsmöglichkeiten zu kennen. Nach dem Spaziergang wurden alles fein gehackt und auf ein Butterbrot gestreut. Dazu ein Glas Sauermilch oder einen Hollerblütensaft. Das war und ist Luxus. Uns ist kaum bewusst, in welcher Schatzkammer wir leben. Uns wachsen die Früchte in den Mund, die Wälder geben Holz zum Bauen, zum Heizen und überall sprudelt Trinkwasser aus den Hängen.
Unsere Nahrung soll unser Heilmittel sein, sagte schon Paracelsus
Ja, unser Herrgott hat es wunderbar eingerichtet. Alles wächst im richtigen Rhythmus, so wie wir Menschen es im Jahreslauf brauchen. Die grünen Kräuter im Frühjahr regen den Stoffwechsel an, um uns nach der Winterkost und dem eher trägen Leben wieder fit für das neue Jahr zu machen. Die Blüten reinigen auch die Lungen, den die letzten Monate haben wir in trockener und rauchiger Zimmerluft verbracht und auch manch Schnupfen ist noch nicht richtig ausgehustet worden. Wir erhalten vermehrt Vitamine und Mineralstoffe und blühen, wie die Natur richtig auf. Im Sommer, wenn es heiß wird, bieten uns heimische Pflanzen Sonnenschutz, schweißtreibende und entzündungshemmende Inhaltsstoffe für die oft schwere Arbeit im Garten und am Feld. Der Herbst bringt Nüsse und Samen mit Fetten und reichhaltigen Ölen, dazu reichlich vitaminhältiges Obst. So gestärkt sind wir vorbereitet für den kalten Winter. Unsere heimischen Gemüse und Obstsorten halten in Naturkellern richtig gelagert genau so lange, bis das erste neue Grün in der Natur erwacht.
Ich werde oft bei meinen Wanderungen gefragt, ob ich mich mit Heilkräutern auskenne. Für mich gibt es nur Pflanzen zur Gesunderhaltung. Nach Heilung zu fragen, wenn der Körper Beschwerden macht ist meiner Meinung nach der falsche Weg. Da haben wir uns oft schon zu weit von der Natur, dem natürlichen Lebensweg entfernt. Dann braucht es genau so lange um gesund zu werden, wie es gedauert hat krank zu werden.
Wann haben wir aufgehört auf unseren Körper und unsere Seele zu hören, uns zu spüren? Das ist der Zeitpunkt, wo der Mensch zu leiden beginnt!
Natürlich gibt es Infekte und Verletzungen, die es zu versorgen gilt. Wenn jemand krank war, ein Schnupfen, Grippe oder dergleichen, legte man sich mit einer Wärmeflasche ins Bett.
Des dauert,“ meinte Mutti, „mit Medikamente a Wochn, ohne Medikamente siebn Tag!“



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