Donnerstag, 2. Februar 2017

Ein Jahr beginnt

Die ersten zwölf Tage im Jahr wurden genau beobachtet. Nicht nur das Wetter lieferte Hinweis auf das kommende Jahr, sondern auch die allgemeine Stimmung und besondere Ereignisse, wie der Verlust von etwas oder Krankheiten. Jeder dieser ersten zwölf Tage stand für einen Monat des Jahres.

Am 22. Jänner ist der Vogelhochzeitstag,
an dem die Vögel das erstemal so richtig loszwitschern, sofern das Wetter an diesem Lostag schön ist. An Pauli Bekehr, dem 25. Jänner ist Halbwintertag.

Sankt Paul klar – gibt ein gutes Jahr.
Bringt er aber Wind – wächst das Gras geschwind.
Gibts Nebel stark – füllt Pest den Sarg.
Wenn`s regnet und schneit – wird teuer das Getreid.

Ich kann mich nicht an Sternsinger erinnern, als ich noch klein war, wohl aber daran, dass jemand aus der Familie die heiligen drei Buchstaben an die Tür malte und die Schwelle mit Weihwasser, dem Dreikönigswasser und Räucherwerk gesegnet wurde.

K+M+B

Kasper, Melchior und Balthasar

oder doch Katharina, Margarete und Barbara

Die Barbra mit`m Turm - die Magrete mit`m Wurm

die Kati mit dem Radl – sein die drei kärntner Madl.

So heißt es auch heute noch über die drei heiligen Frauen in der Reihe unserer Kärntner Nothelfer. Die heiligen Drei, wie es auch in der christlichen Kirche zu finden ist, lassen sich bis in die Mythologie zurückverfolgen.

drei Nornen: Urd= das Gewordene, Verdani=das Werdenede, Skuld= das Werden, Sollende;

drei Moiren: Klotho, Lachesis, Atropos; drei Parzen: Nona, Dezima, Parca.
Der Jänner war hart. Bis ich in die Schule kam, hatten wir keine Wasserleitung im Haus. Der Brunnen stand im Garten und das Wasser wurde auch im Winter hochgepumpt, per Hand versteht sich, und ins Haus getragen. Solange es die Witterung zulies, wuschen wir uns im Freien. Zähneputzen ging fast von selbst, wenn wir vor Kälte zitterten. Trotzdem ziehe ich heute noch das Abrubbeln mit einem Waschlappen jeder Dusche vor. Die Haut wird angenehm durchblutet und man spürt sich selbst und seine Grenzen.
Auch die Medizin hat erkannt, dass der Hautkontakt wichtig ist für die Selbstwahrnehmung.
Der Wald hinterm Haus ließ in den Wintermonaten keinen Sonnenstrahl durch und Spaziergänge zu sonnigen Plätzen waren eine Wohltat. Auf dem Speiseplan stand die eingelagerten und die eingerexten Gemüse und Früchte.
Wurzelgemüse als Suppe oder gedünstet mit Einbrenn, Kraut in allen Variationen, dazu Salate aus dem Rexglas: Strangalan und Rohnen. Bohnen und Erbsen waren getrocknet und mussten erst eingeweicht werden. Auch die Früchte waren getrocknet oder zu Marmelade verarbeitet. Täglich gings in den Keller um die Einmachgläser und Erdbeete zu überprüfen.
War eine Erkältung im Anmarsch oder ging eine Grippewelle um, gab es Holunderbeerensuppe mit Schneenockerl zum Essen. Unsere Nahrung hielt uns gesund.
Geheizt wurde mit Holz und Kohle. Die Kohle wurde geliefert, Holz durfte im Wald gesammelt werden. Ein Spaziergang im Wald war keine Selbstverständlichkeit, wie heute. Der Wald durfte bis 1975 nur mit Erlaubnis des Besitzers betreten werden. Das Holzsammeln wurde von so vielen Menschen betrieben, dass in den Wäldern nichts an Holz oder Ästen herumlag. Ich kann mich an Winter erinnern, da gab es nur die Zapfen und Tschurtscheln, die frisch vom Baum geweht wurden.
Auch etwas Harz wurde aus dem Wald mitgenommen. Das rosarote, cremigweiche Winterharz wurde gerne als Kaupech benutzt. Seine entzündungshemmende Wirkung linderte Eiterherde und Faulstellen im Mund. Zum Räuchern wurde Harz von den Ameisenhäufen gesammelt. Es hat wohl durch die Ameisensäure ein verändertes Aroma und riecht fast nach Weihrauch.
Das Räuchern wurde früher auf den Öfen immer praktiziert. Der Herd war nicht nur Heiz- und Kochgelegenheit, darauf stand auch immer warmes Wasser für Tee oder zum Waschen, das Essen konnte warm gehalten werden, Esskastanien und Kartoffel wurden gegart, unten trockneten die Schuhe und darüber trocknete die Wäsche. Im Rohr wurden im Herbst die Kräuter getrocknet und im Winter wurde aus Apfel- und Brotscheiben Knusperzeugs. Wie glücklich war ich im Garten mit meiner Papiertüte voll mit getrocknetem Brot. Und wenn es notwendig war, wurde was zum Räuchern aufgelegt, nicht nur in den Rauhnächten um die Weihnachtszeit. Jetzt im Jänner zu Neujahr und zu Dreikönig wurde das ganze Anwesen mitsamt den Tieren und Garten geräuchert. Mit der Kohlenpfanne wurde umhergegangen und gebetet oder alte Segensspüche gemurmelt. Als Räucherwerk legte man Wacholder, Fichtenharz, Salbei, Eisenkraut und Beifuss auf. Am Herd wurde das Harz aus den Ameisenhäufen oder getrocknete Wacholderbeeren aufgelegt. Wenn jemand krank war, wenn es Ärger gab oder wenn es gemütlich werden sollte.
 

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